„Hiking & Photography“
Einblick in ein Kulturförderungsprojekt in Schmalkalden
25.09.2026
Janosch Longerich studiert Angewandte Medieninformatik im Master of Science an der Hochschule Schmalkalden und begeistert sich für Fotografie. Aus seinem Wunsch, Begegnungen zwischen Studierenden zu ermöglichen und mit ihnen gleichzeitig die Begeisterung für Fotografie zu teilen, entstand das Projekt „Hiking and Photography in Schmalkalden – Building Bridges Between Cultures“ – ein von der Kulturförderung des Studierendenwerks Thüringen unterstütztes Projekt. Bei dem Projekt organisiert Janosch kostenfreie Touren in und um Schmalkalden, wobei sich die Studierenden kennenlernen können, während sie gemeinsam neue Orte entdecken. Die Idee zu dem Projekt kam ihm durch frühere Austausch-Projekte sowie einem „Welcome“-Projekt für Geflüchtete. Dabei machte er die Erfahrung, dass Begegnungen häufig wesentlich leichter entstehen, wenn Menschen nicht nur nebeneinandersitzen, sondern gemeinsam etwas unternehmen und dabei neue Erfahrungen sammeln.
„Für das heutige Projekt habe ich diesen Gedanken mit zwei Dingen verbunden, die ich persönlich sehr gerne mache: Wandern und Fotografieren“, erklärt Janosch. Daraus entwickelte er ein bewusst einfach gehaltenes Konzept: Statt interkulturellen Austausch ausschließlich in Seminarräumen oder bei offiziellen Veranstaltungen stattfinden zu lassen, gehen sie gemeinsam hinaus in die Natur. „Beim Wandern entstehen Gespräche erstaunlich unkompliziert. Man läuft nebeneinander, entdeckt einen Ort gemeinsam, fotografiert, hilft sich gegenseitig und kommt dabei mit Menschen ins Gespräch, denen man im normalen Hochschulalltag vielleicht nie begegnet wäre. Gerade die Fotografie ist dabei zusätzlich spannend, weil jeder Mensch denselben Ort ein wenig anders wahrnimmt.“
Wenn man internationalen Studierenden erklären möchte, worauf sie sich in Schmalkalden freuen können, sei das zunächst vielleicht schwieriger. Schmalkalden besitze jedoch etwas, das sich weniger erklären als vielmehr erleben ließe: den Thüringer Wald direkt vor der Haustür. „Ich glaube, dass genau darin eine große Stärke des Studienstandorts liegt“, so Janosch. „Internationale Studierende kommen teilweise aus Millionenstädten nach Schmalkalden. Berlin hat das Brandenburger Tor, Köln den Dom, Hamburg den Hafen und München das Oktoberfest. Eine kleine Stadt kann auf den ersten Blick daher vielleicht weniger spektakulär wirken. Sobald man jedoch gemeinsam hinausgeht, Wälder, Aussichtspunkte, Wasserfälle und Wanderwege entdeckt, kann sich diese Perspektive schnell verändern.“ Genau dieses gemeinsame Erleben möchte Janosch mit diesem Projekt fördern.
Ein weiterer Ausgangspunkt für das Projekt ist die Situation vieler Studierender in Schmalkalden: Nicht alle verfügen über ein eigenes Auto; gleichzeitig sind einige der schönsten Wanderziele rund um Schmalkalden und im Thüringer Wald mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen. Der organisierte Bustransfer schafft hier eine Möglichkeit, gemeinsam Orte zu entdecken, die viele Studierende sonst nicht in Betracht ziehen würden.
Am 13. September 2026 fand die erste organisierte Tour mit Bustransfer satt, und zwar zum Trusetaler Wasserfall und dem Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich, trotz des regnerischen Wetters. Für Ankur aus Nepal waren die Bedingungen ideal: „Es ist bewölkt, aber regnet gerade nicht – für mich das perfekte Wetter für diesen Ort.“ Ankur studiert Mechatronics & Robotics im Bachelor an der Hochschule Schmalkalden und war bereits mehrfach bei Touren von Janosch dabei. Die aktuelle Tour bezeichnet er als bisheriges Highlight: „Ich war schon mehrfach bei Touren mit Janosch, im Wald und durch kleine Städte, aber das ist bisher der coolste Ort, an dem wir waren.“ Normalerweise ist Ankur viel mit dem Fahrrad unterwegs. Der organisierte Bustransfer eröffnet ihm jedoch ganz neue Möglichkeiten: „Mit dem Bus kann man noch einmal ganz andere Orte erreichen.“
Gegen 12:30 Uhr erreichte der Kleinbus mit den Studierenden an diesem Sonntag den Parkplatz des Trusetaler Wasserfalls. Der Wasserfall war von da aus bereits zu sehen. Nach einem kurzen Weg zeigte sich der Wasserfall in seiner vollen Erscheinung und sofort wurden die Kameras gezückt. Neben dem Wasserfall ging eine lange Treppe bergauf. Auf der Treppe machten die Studierenden mehrfach Halt, um den künstlich angelegten Wasserfall zu bestaunen und aus sämtlichen Perspektiven zu fotografieren. Oben angekommen sorgte der Ausblick für Staunen und vor allem der Blick hinab. „Gruselig, hier herabzuschauen“, meinte ein Teilnehmer. Die Gruppe folgte dem Lauf des Baches noch ein Stück, bevor sie den gleichen Weg, die Treppe hinunter, zurück gingen.
Von Hobbyfotografen bis hin zu einem professionellen Videografen waren verschiedene Erfahrungsstufen vertreten. Ein Teilnehmer hatte bereits vor seinem Studium an der Hochschule Schmalkalden professionell als Videograf gearbeitet. Andere zückten ihr Handy für Fotos. Masterstudentin Hiba, ebenfalls Mechatronics & Robotics, schätzt besonders die Möglichkeit, neue Menschen kennenzulernen und gleichzeitig mit Studierenden aus anderen Semestern ihres eigenen Studiengangs ins Gespräch zu kommen. „Das ist mein erstes Mal, aber ich werde definitiv wiederkommen.“
Janosch plant seine Wanderungen meistens an Sonntagen, da zu diesem Zeitpunkt die meisten Studierenden Zeit haben. Für die Auswahl der Ziele greift er bevorzugt auf Orte zurück, an denen er bereits war. Die Kommunikation der Angebote erfolgt vor allem über WhatsApp- und Hochschulgruppen. Die Tour am 13. September war für Janosch eine Art Probetour, denn es war die erste organisierte Wanderung, bei der ein Bustransfer zum Einsatz kam. Insgesamt war es bereits seine fünfte Tour für Studierende.
Die nächste Gelegenheit, den Wasserfall und die Umgebung gemeinsam zu erkunden, gibt es bereits am 18. Oktober. Dann soll die gleiche Tour erneut stattfinden – diesmal mit einer doppelt so hohen Kapazität. Langfristig möchte Janosch das Projekt wachsen lassen und möglichst zu einem festen Bestandteil des studentischen Lebens in Schmalkalden entwickeln. Ein weiterer Schritt soll später eine gemeinsame Fotoausstellung sein.
Impressionen
© Studierendenwerk Thüringen
© Studierendenwerk Thüringen
© Janosch Longerich
© Studierendenwerk Thüringen
© Studierendenwerk Thüringen