Vom Hörsaal zum Holy - Incredible India in Weimar
30.09.2026
Das Maurice-Halbwachs-Auditorium der Bauhaus-Universität Weimar folgte am Samstag nicht seinem üblichen Zweck. Statt einem Hörsaal wurde es zu einem Festsaal, das Rednerpult zu einer Bühne für indische Kultur. Das Projekt „Incredible India“ brachte internationale Studierende zusammen und entführte am 19. September alle Besuchenden für einen Abend in die indische Kultur.
Bereits zum achten Mal fand das Format „Incredible India“ statt. Das Studierendenwerk Thüringen unterstützte das Projekt bereits zum sechsten Mal mit seiner Kulturförderung. In diesem Jahr stand es unter dem Motto „Threads of Folk“ – zu Deutsch: „Fäden der Volkskultur“. Organisiert wird „Incredible India“ ausschließlich von internationalen Studierenden, die ganze Veranstaltung fand in englischer Sprache statt. Die drei Hauptorganisatoren Satya, Sarvesh und Bhargav kennen sich aus ihrem Masterstudiengang Digital Engineering an der Bauhaus-Universität. Bei dem Projekt werden sie von zahlreichen freiwilligen Helfer*innen aus ganz Thüringen unterstützt. „Unser Hauptziel ist ganz einfach: Wir möchten die indische Kultur durch Tanz, Musik, Essen und Spaß feiern. Gleichzeitig möchten wir einen Ort schaffen, an dem sich Menschen vernetzen und mit anderen indischen Studierenden aus ganz Thüringen in Kontakt treten können“, erzählt Satya.
Schon vor dem Audimax wurde deutlich, dass an diesem Abend etwas anderes als eine gewöhnliche Universitätsveranstaltung stattfindet. Im Foyer gab es Stände mit Henna-Farben, indischen Stempeln, Smoothies sowie ein Fotostand, bei dem sich alle ihr persönliches Erinnerungsfoto mit nach Hause nehmen konnten. Viele indische Gäste trugen traditionelle Kleidung in bunten, schimmernden und glitzernden Farben. Einige indische Studierende brachten ihre Familie mit – von Kleinkind bis Großmutter.
Beim Betreten des Hörsaals lief entspannte indische Musik im Hintergrund. Jeder Gast bekam einen kleinen Zettel in die Hand, auf der eine Tabelle und ein paar Nummern abgebildet waren. „Das ist eine Art indisches Bingo, das erklären wir aber gleich noch“, erklärte ein Student.
„For the next couple of hours we are taking you on a one-way ticket straight to india“, eröffnete die Moderatorin den Abend. Die Veranstaltung begann mit Eröffnungsreden von Maria Rückert, Leiterin des Amtes für Migration der Stadtverwaltung Weimar, und vom Präsidenten der Bauhaus-Universität, Prof. Peter Benz, welcher die Veranstaltung zum vierten Mal miterlebt. „I spent a lot of time in this room but I have never seen it like this“, erzählte er strahlend neben anderen Anekdoten vergangener Editionen. „While Weimar may not be your longterm home, hopefully it will be for some of you, by forming friendships, organizing events like this one tonight, by sharing your cultures and traditions, you enrich our social and cultural lifes for us and for our city as well. And of course this is the mature point of having a university, that is a wonderful thing of sharing a university community, that we have the opportunity to experience each other and each others cultures, lifes, traditions, perspectives and ideas.“
Mit einer Tanzgruppe begann das Programm des Abends. Schon mit diesem ersten Programmpunkt wurde klar, dass „Incredible India“ weniger ein klassischer Vortrag oder eine reine Bühnenshow ist. Während des Programms unterhielten sich die Menschen im Publikum, es wurde gelacht, geklatscht und gejubelt. Ein Flötenspieler eröffnete den instrumentalen Teil des Programms. Er spielt die traditionelle Querflöte erst seit einem Jahr und bedankte sich anschließend bei allen: „Thank you for the silence, I enjoyed it so much.“
Es folgte eine Geschichte über einen Fadenspinner („Sudrathar“). Sie erzählt von sieben Menschen aus verschiedenen Regionen Indiens, die an einem Fadenspinner vorbeikommen und ihm einzelne Fäden schenken. Doch jeder dieser Menschen bringt nicht nur einen Faden mit, sondern auch eine Technik ihrer Region, mit der er den Faden spinnen kann. So kann sich der arme Fadenspinner am Ende ein individuelles Kleidungsstück nähen.
Das Programm war unglaublich facettenreich und thematisierte die sprachliche und musikalische Vielfalt Indiens. Es werden Lieder in verschiedenen indischen Sprachen gesungen, es wird getanzt – von Freestyle über indische Popmusik bis hin zu Bollywood. Zwischen den einzelnen Programmpunkten wird immer wieder zur Tombola aufgerufen. „It’s Tombola time“ entwickelte sich im Laufe des Abends zum Satz der Veranstaltung. Immer wieder wurden Freiwillige aus dem Publikum gesucht, die die nächsten Zahlen ziehen.
Die zweite Programmhälfte begann mit einem auf einem Teppich sitzenden Vorsänger, eine Gruppe sang ihm nach. Später folgte ein Student, der seine Lieder auf Gitarre begleitete. „I wanna bring some nostalgic from our childhood in India“, kündigte der Musiker an. Die Idee funktioniert: Das Publikum sang und klatschte mit. Es folgt die Geschichte von Meera, einer Dichterin aus einer indischen Königsfamilie. Drei indische Gedichte wurden vorgetragen, begleitet von ruhiger Musik. Anschließend präsentierte eine Tänzerin einen Folk-Tanz, bei dem mit Farbe geworfen wurde. Eine Gruppe aus einem Gitarrenspieler und drei Sängern übernahm anschließend. „Without this song, no party is complete“, hieß es vor dem letzten Lied der Gruppe, bei dem alle mitgesungen haben.
Den Abschluss des Bühnenprogramms bildete eine Fashion-Show. „Everything is a different thread“, hieß es in Ankündigung der Modenschau mit Bezug auf das diesjährige Motto des Abends. In Gruppen von fünf bis sechs Personen präsentierten die Teilnehmenden traditionelle und moderne indische Kleidung. Insgesamt liefen acht Gruppen über die Bühne. Dabei erklangen verschiedene indische Lieder, darunter auch eine indische Version von „Pretty Woman“.
Ein letztes Mal hieß es „Tombola time“. Insgesamt gab es vier Gewinner*innen. Anschließend hat Satya alle Freiwilligen auf die Bühne für ein gemeinsames Gruppenfoto gebeten und bedankte sich bei allen Teilnehmer*innen, Helfer*innen und Förder*innen – zu denen auch das Studierendenwerk Thüringen gehört. Satya selbst stand an diesem Abend ebenfalls auf der Bühne – bei einem Tanzauftritt und als Mitsänger. Kaum war die Bühne leer, strömten die Gäste aus dem Saal. Im Foyer wartete indisches Essen: eine Vorspeise sowie Reis mit Curry. Das Curry war bewusst nicht scharf gewürzt, damit möglichst viele Gäste mitessen konnten. Vor dem Audimax standen die Menschen zusammen, haben gegessen, geredet und tauschten sich aus.
Für Satya ist das Engagement mehr als die Organisation einer einzelnen Veranstaltung. Seit Beginn seines Studiums in Weimar beteiligt er sich an studentischen Freiwilligenaktivitäten. „Viele internationale Studierende fühlen sich einsam, insbesondere kurz nach ihrer Ankunft, da es schwierig sein kann, Freunde zu finden und Menschen mit ähnlichen Interessen kennenzulernen. Das habe ich selbst erlebt, als ich zum ersten Mal nach Weimar kam, und das hat mich motiviert, mich stärker ehrenamtlich zu engagieren und anderen Studierenden auf jede erdenkliche Weise zu helfen.“
Die Veranstaltung will nicht nur indische Kultur präsentieren, sondern Menschen miteinander verbinden. Die verschiedenen Tänze, Lieder, Geschichten, Sprachen und Kleidungsstile sind dabei wie die Fäden des Veranstaltungstitels: Jeder einzelne erzählt einen Teil der Geschichte – gemeinsam entsteht daraus ein Bild der kulturellen Vielfalt.
Impressionen "Incredible India 8"
© Studierendenwerk Thüringen
© Studierendenwerk Thüringen
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